Bildlabor Kleistpark
2022-2027
Um die Vision eines experimentellen und partizipativen Kunstdiskurses umsetzen zu können, wird in Berlin Schöneberg ein neuer Ausstellungsort geschaffen. Im Bildlabor Kleistpark sollen zusammen mit den Besuchern Ausstellungen erweitert, verändert oder neu zusammengestellt werden. Der als Schaudepot konzipierte Wissensspeicher beherbergt vor allem Papierarbeiten aus dem 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Ergänzt wird das Programm des Neubaus durch ein Café, Ateliers und Flächen für kunstnahes Gewerbe sowie Wohnen, sodass ein einladender und lebendiger Ort der urbanen Kultur und des kreativen Austauschs entsteht.
Das Bildlabor entsteht auf einem kleinen bisher unbebauten Eckgrundstück, das den Übergang von einer geschlossenen Blockrandbebauung zu großen denkmal- geschützten Repräsentationsbauten an den Rändern des Kleistparks markiert. In diesem heterogenen Stadtbild schafft die Komposition aus verschieden proportionierten ineinandergeschobenen Volumen eine skulpturale Qualität und kraftvollen Ausdruck des Gebäudes. Zugleich dient die Staffelung der Rücksprünge der Integration in den städtebaulichen Kontext. Die unterschiedlichen Gebäudehöhen und -Breiten der unter Denkmalschutz stehenden Nachbarbebauung werden auf- gegriffen und die Sichtachsen auf das angrenzende Haus am Kleistpark – dem ehemaligen botanischen Museum – berücksichtigt.
Durch die Gestaltung der städtebaulichen Figur entsteht ein Vorplatz. Er dient der Adressbildung und verankert die Sammlung als ersten Ausstellungsort im Stadtraum. Über ein großes Schaufenster ist er mit dem Foyer im Erdgeschoss visuell und programmatisch verknüpft. Das Pendant zum Stadtplatz bildet der Secret Garden, ein Tiefhof im rückwertigen Bereich des Grundstücks. Als kontemplativer Rückzugsort schafft er einen Außenraumbezug für die Ausstellungssäle und die Bibliothek im Untergeschoss des Gebäudes.
Stadtplatz und Secret Garden werden durch eine Reihe von aufeinander folgenden Gartenkammern ergänzt, in deren intimer Atmosphäre sich die Außensitzplätze des Cafés befinden und deren unterschiedliche Gestaltung Bezug auf die ehemalige Nutzung des Grundstücks als königlicher Kräutergarten nimmt.
Das Herz der Sammlung bildet der doppelgeschossige Saal, der die Ausstellungsräume im Erdgeschoss mit denen im Untergeschoss verbindet sowie den Vorplatz visuell und konzeptionell mit dem Secret Garden verknüpft. Im Untergeschoss sind die weiteren Ausstellungsräume unterschiedlicher Proportion und Atmosphäre um den Saal herum angeordnet. So können wechselnde Raumfolgen geschaffen werden, die dem Nutzer eine flexible Bespielbarkeit der Ausstellungsbereiche und dem Besucher immer wieder neue Kunstbetrachtungen ermöglichen. Konstruktive Einbauten inklusive der Integration von Depot- und Planschränken, ermöglichen die Umsetzung des kuratorischen Konzepts eines Schaudepots. Sorgfältig geplante Sichtachsen fördern die beabsichtigte Interaktion der Besucher. Sie bieten Durch- und Ausblicke in den umgebenden Stadtraum, vereinfachen die Orientierung und steigern die Aufenthaltsqualität im Sammlungsbereich. Auch aus dem separat gelegenen Gewerbeeingang sind Durchblicke in die Sammlungsräume gewährleistet. Sie unterstreichen die Idee mit dem Bildlabor Kleistpark einen Art-Working-Space zu schaffen, der Ateliers für die Kunst- und Kreativwirtschaft in den Obergeschossen mit dem Ausstel- lungs- und Veranstaltungsbetrieb sowie dem Café unter einem Dach vereint.
Um die lichtempfindliche Kunst auf Papier zu schützen, liegen die großen stützenfreien Ausstellungssäle im Erd- und überwiegend im Untergeschoss. Die dafür erforderliche Betonkonstruktion wird in der Fassadengestaltung der Samm- lungsbereiche aufgegriffen. Ein massiver Sichtbetonsockel mit wenigen großen Öffnungen versinnbildlicht die Bedeutung von Schutz, Dauerhaftigkeit und Wert. Im Gegensatz dazu werden die darüberliegenden Bauteile in einer leichten Holzkon- struktion errichtet. Der Logik der Konstruktion folgend, wird die thermische Hülle als verputzter leichter Holzrahmenbau aus vorgehängten Fassadenelementen an den Geschossdecken befestigt. Die Gestaltung der Fassade wird durch ein Stahlgerüst definiert, das mit einer Füllung aus geschuppt angeordneten geätzten Glasscheiben dem Baukörper einen feingliedrigen Ausdruck verleiht.
Die Materialwahl sowie das strenge Fassadenraster erinnern an das Palmenhaus, das als Attraktion des königlich botanischen Gartens diente, der am Anfang des 20. Jahrhunderts zum heutigen Kleistpark umgestaltet wurde.
Neben der ressourcenschonenden Materialwahl der Holzhybridkonstruktion ist das Nachhaltigkeitskonzept durch die Minimierung des Energiebedarfs mittels passiver Maßnahmen wie die hochwertige Fassadenqualität, eine natürliche Lüftung und thermisch aktivierte Speichermassen geprägt. Das selbstregulierende und robuste Raumklima wird zusätzlich über Umweltwärme dank Geothermie und solarer Stromerzeugung sichergestellt. Auf fossile Energieträger aufgrund dank eines individuell entwickelten konservatorischen Konzepts verzichtet werden.